Rom oder Marrakesch?

Stell dir vor:

Du möchtest mit deinem besten Freund verreisen.

Dein Favorit ist das aufregende Marrakesch.

Die einzigartigen überdachten Märkte von Marrakesch mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten – so voller Farben! Das wird toll!

„Souks“ nennen sie sich.

Doch dein Freund hat Zweifel:

In der Nähe von Marrakesch gab es vor einigen Wochen einen Terroranschlag.

„Lass uns doch einfach nach Rom fahren!?“

Doch:

Rom ist längst nicht so spannend und du wolltest schon immer mal nach Marrakesch.

Aber du machst dir auch Sorgen wegen dem Anschlag.

Wie entscheidest du dich?

Spannend ist, das Gedankenexperiment mit zwei Szenarien weiter zu denken:

Szenario A) Es war ein stressiger Arbeitstag.

Ihr seid wahnsinnig hungrig.

Doch es ist keine Zeit mehr zum Essen, da es zu dem Zeitpunkt, an dem ihr fliegen wollt, nur noch zwei Plätze im Flugzeug gibt.

Sie könnten jeden Moment weg sein.

Ihr müsst jetzt buchen.

Ihr seid wegen dem Hunger eh schon körperlich im Überlebensmodus. Und die zeitliche Knappheit bereitet euch noch mehr Stress.

Deswegen bekommt dein Gehirn das Signal, jetzt bloß auf Nummer Sicher zu gehen.

Das Ergebnis?

Zu einer höheren Wahrscheinlichkeit fahrt ihr nach Rom.

Denn Hunger sorgt in einem eher negativem [z.B. stressigen] Kontext dafür, dass die Situation eher negativ bewertet wird [1].

Doch es hätte auch anders sein können:

Szenario B) Ihr seid wohlig satt von einem exzellenten Brunch mit Freunden.

Ihr seid noch sitzen geblieben, um gemütlich die Reise zu buchen.

Es gibt nur noch zwei Plätze im Flieger.

Sie könnten jeden Moment weg sein.

Ihr müsst jetzt buchen.

Ihr seid satt und entspannt – euer Körper signalisiert euch: „Alles gut – bereit für das nächste Abenteuer!“

Du stellst entspannt fest:

Die Wahrscheinlichkeit, von einem Anschlag betroffen zu sein, ist verschwindend gering. Selbst wenn an dem gleichen Ort schonmal einer verübt wurde!

Das Ergebnis?

Dein Freund stimmt dir zu – ab nach Marrakesch!

Wahrscheinlich hast du dich schonmal beobachtet, wenn du richtig Hunger hast:

Aggressiv?

Genervt?

Ängstlich?

Gehirn ganz ausgeschaltet?

Wie auch immer – wenn Hunger deine Entscheidungen stark beeinflussen kann:

Wie glaubst du, ist es mit einer schlechten Atmung?

Wie mit Darmproblemen?

Wie mir deiner Haltung?

Die Physiologie deines Körpers ist die Voraussetzung für regelmäßig überzeugende und befreiende Entscheidungen.

Deine Physiologie ist eine von wenigen Stimmen, die darüber entscheiden, welche Wahl du triffst.

Egal, ob in kleinen täglichen Entscheidungen, die zu deinen Gewohnheiten werden und darüber bestimmen wie dein Leben sich entwickelt.

Oder in großen Entscheidungen, die dich befreien oder einengen.

Vergib die Stimme deiner Physiologie nicht!

Komm ins physiologie-basierte Entscheidungstraining!

Hör nicht auf, zu träumen – dein Hannes

Referenzen

[1] MacCormack, Jennifer K.; Lindquist, Kirsten, A. (2019) Feeling Hangry? When hunger is conceptualized as emotion. In: Emotion 19 (2), S. 301-319. DOI: 10.10.1037/emo0000422.