E-F-G Am Leben vorbei

Ich stehe am Fenster meiner Wohnung.

Auf der anderen Straßenseite schiebt sich ein Fahrradbuggy, in dem Kind und Paket gequetscht um Platz konkurrieren, aus einer Tür heraus.

Hinterher kommt ein Mann mittleren Alters. Kurze Hose, gebräunte Beine, schicke Sneaker, Rolex am Handgelenk.

Doch da ist noch mehr.

Sein Schritt ist gehetzt. Sein Gang leicht gebeugt. Zwischen den Airpods die er in den Ohren hat, tasten sich rastlose Augen den Weg entlang, während sie in eine – so wirkt es – stressige nahe Zukunft blicken.

Ich fantasiere – übertragen auf eine klassische Filmszene würde sich die Situation so darstellen:

Die Kamera blickt auf einen verschlafenen Ort. Ein warmer Wind bringt helle Tücher in sanften Schwung.

Einheimische gehen gemütlich ihrer Arbeit nach.

Ein sanfter Bach fließt; Vögel und Tiere würden zu sehen sein, hätten sie nicht schon wegen diesem näherkommenden Wummern das Weite gesucht.

Die Szenerie ändert sich kaum. Nur im Hintergrund – vor wundervoller Landschaft – treibt ein wohlhabender Europäer seinen Geländewagen mit halsbrecherischer Geschwindigkeit am Leben vorbei.

Wo muss er so schnell hin? Was ist sein Ziel? Man weiß es nicht.

Die Szene schließt mit einem einheimischen alten Mann. Erst jetzt stellt er kopfschüttelnd seine Wasserflasche ab, die er zu Beginn der Szene an die Lippen gehoben hat.

Was kann ein so wichtiges Ziel sein, dass man diese Schönheit durchquert, ohne sie eines Blickes zu würdigen?

Tja, und genauso kam ich mir zu Hause an meinem Fester vor.

Wie der alte Mann.

Paket-Wegbringen, Handytippen, telefonieren, Tochter beschwichtigen – allein vom Zugucken will mein Körper sich in den Stress-Modus versetzen.

Ich verhindere es und freue mich meiner inneren Gelassenheit.

Seit ich sie immer öfter habe, geht es in meinem Leben schneller voran denn je.

Paradox? Nein.

Die meisten denken, dass Stress zu Erfolg gehört. Sie streben dann sogar – bewusst oder unbewusst – danach.

Warum? Sie glauben, dass sie intensive Emotionen für Erfolg brauchen, … um in Führungspositionen Einfluss ausüben zu können oder um zu überzeugen.

Und intensive Emotionen – egal ob positiv oder negativ – sind Stress [1].

Wie ist das bei dir?

Machst du dir auch unnötig Stress, damit du dich bedeutsamer fühlst?

Ich konnte das oft bei mir beobachten.

Doch ich hab mittlerweile eine bessere Idee:

Wisse genau, wofür sich Aufregung lohnt und wofür nicht …

Bring das Gefühl echter Bedeutsamkeit in dein Leben und finde dabei Erfolg UND die innere Gelassenheit des alten Mannes.

Mit der Unterbewusstseins-Analyse.

Hör nicht auf zu träumen, – dein Hannes

[1] Witvliet, C. V.; Vrana, S. R. (1995): Psychophysiological responses as indices of affective dimensions. In: Psychophysiology 32 (5), S. 436–443. DOI: 10.1111/j.1469-8986.1995.tb02094.x.